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Blitzbefragung: 71 Prozent der österreichischen Fuhrparks bremsen ihre BEV-Beschaffung

Veröffentlicht am 15. Mai 2026

Eine aktuelle Branchenbefragung des Fuhrparkverband Austria zeigt: Der neue Sachbezug auf batterieelektrische Dienstfahrzeuge wirkt unmittelbar und großflächig. Die Daten unterstützen die FVA-Position in allen wesentlichen Punkten.

143 Fuhrparkverantwortliche aus ganz Österreich haben an der Blitzbefragung des Fuhrparkverband Austria zum Thema E-Auto-Sachbezug teilgenommen. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild der aktuellen Branchenstimmung und bestätigen die Befürchtungen, die der Fuhrparkverband Austria in seinem Positionspapier vom Mai formuliert hat.

Die Beschaffungsbremse ist gedrückt

71,33 Prozent der antwortenden Unternehmen reduzieren, pausieren oder überdenken ihre BEV-Beschaffung. Im Detail: 18,88 Prozent reduzieren den geplanten Umfang, 20,28 Prozent pausieren und bewerten neu, 8,39 Prozent kehren überwiegend zu Verbrennern oder Hybriden zurück, weitere 23,78 Prozent sind aktuell unentschieden. Nur 28,67 Prozent halten ihren Beschaffungsplan unverändert aufrecht.

 Eine konkrete Stornierungswelle steht dabei erst bevor. Nur 9,09 Prozent der Befragten haben bereits Bestellungen storniert oder verschoben. Aber: Knapp die Hälfte (49,65 Prozent) prüft aktuell aktiv den weiteren Beschaffungsplan. Was heute als Prüfung läuft, kann morgen zur Stornierung werden.

Planungssicherheit und Vertrauen massiv beschädigt

Die Planungssicherheit für Investitionen in betriebliche E-Mobilität – Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Photovoltaik – wird von 74,13 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen kritisch bewertet: 27,27 Prozent bewerten sie als „sehr schlecht – verlässliche Planung ist derzeit kaum möglich", 20,98 Prozent als „schlecht – wir investieren nur noch zurückhaltend", 25,87 Prozent als „eingeschränkt – Investitionen werden hinterfragt". Nur 8,39 Prozent halten die Rahmenbedingungen für gut kalkulierbar.

 Noch deutlicher fällt das Bild beim Vertrauen aus: 67,38 Prozent der Unternehmen verzeichnen einen spürbaren oder starken Vertrauensverlust in steuerpolitische Zusagen zur E-Mobilität. Lediglich 3,55 Prozent sehen keinen Vertrauensverlust. Damit ist nicht nur die aktuelle Investitionsentscheidung betroffen, sondern jede künftige Investition wird ab jetzt konservativer kalkuliert.

Car Policies werden umgebaut, Mitarbeitende sind verunsichert

Auf Ebene der Car Policies ziehen 29,79 Prozent die Wiederzulassung von Verbrennern oder Hybriden für bestimmte Mitarbeitergruppen in Betracht. 26,95 Prozent erwägen die Reduktion der Listenpreis-Obergrenze für E-Fahrzeuge. 31,21 Prozent rechnen mit höheren Kompensationsforderungen aus der Belegschaft.

 Auf Mitarbeiterseite zeigen sich konkrete Reaktionen: 59,86 Prozent der Fuhrparks erleben Verunsicherung und vermehrte Rückfragen. 35,92 Prozent verzeichnen höhere Gehaltsforderungen oder Kompensationswünsche. Ein Viertel der Belegschaften (25,35 Prozent) äußert den Wunsch nach Wechsel zum Verbrenner.

 Hier kann eine problematische Kettenreaktion entstehen. Denn: Über 70 Prozent aller E-Auto-Neuzulassungen entfallen auf Unternehmen. Fahren diese ihre BEV-Bestellungen systematisch zurück, steigt der CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs und damit die Wahrscheinlichkeit, die EU-Klimaziele 2030 zu verfehlen. Laut Rechnungshof könnte das Strafzahlungen von bis zu neun Milliarden Euro zur Folge haben.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die im Budget angesetzten Einnahmen tatsächlich realisiert werden können, wenn eine derart hohe Anzahl von Unternehmen ihre Beschaffungsstrategie überdenkt.

Die politische Forderung ist eindeutig

Bei der Frage nach der wichtigsten politischen Maßnahme zeichnen sich drei klare Mehrheitsforderungen ab:

  • 64,08 Prozent fordern Rücknahme oder Aussetzung des Sachbezugs für E-Fahrzeuge
  • 61,97 Prozent fordern Bestandsschutz für bereits bestellte und zugelassene Fahrzeuge
  • 52,11 Prozent fordern verbindliche Zusagen für stabile Rahmenbedingungen über mehrere Jahre

 Differenzierungsmodelle (27,46 Prozent) und Kompensationen durch andere Anreize (21,83 Prozent) finden deutlich weniger Zustimmung. Die Branche will keine halbherzige Lösung – sie fordert die Wiederherstellung verlässlicher Rahmenbedingungen.

Die Stimmen kommen aus der Praxis

Die Befragung erreicht die österreichische Fuhrpark-Realität in ihrer aktuellen Verfassung. 96,50 Prozent der antwortenden Unternehmen haben mindestens ein BEV im Fuhrpark, 67,83 Prozent einen Anteil ab 26 Prozent, knapp 35 Prozent einen Anteil ab 51 Prozent. Damit kommen die Stimmen genau aus jener Gruppe, die der neue Sachbezug am unmittelbarsten betrifft: von Unternehmen, die in den vergangenen Jahren substanziell in betriebliche E-Mobilität investiert haben.

Die Position des Fuhrparkverband Austria

Henning Heise, Obmann des Fuhrparkverband Austria, ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: „71 Prozent der Fuhrparks bremsen die Beschaffung von rein elektrischen Fahrzeugen. Das ist kein Stimmungsbild, das ist eine Investitionsblockade in Echtzeit. Jede Woche, die ohne politische Korrektur vergeht, verstärkt diese Bremswirkung. Im Hinblick auf die EU-Klimaziele 2030 sollte die Politik das als Warnsignal verstehen – immerhin entfallen rund 70 Prozent der Elektroauto-Zulassungen auf Firmenkunden, und diese sind substanziell für die Reduktion unseres CO2-Ausstoßes. Aus kurzfristigen Millioneneinnahmen durch den Sachbezug könnten wegen verfehlter Klimaziele bald Milliarden-Strafzahlungen werden. Wir sind jedenfalls bereit, um unsere Expertise in politische Entscheidungen einzubringen."

 Der Fuhrparkverband Austria fordert die uneingeschränkte Beibehaltung des Null-Sachbezugs für rein elektrische Dienstfahrzeuge und bietet dem zuständigen Ministerium seine Mitarbeit auf Basis der Praxiserfahrung seiner Mitglieder an.

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