Eine aktuelle Blitzbefragung des Fuhrparkverband Austria (FVA) zu Restwerten bei Elektrofahrzeugen zeigt ein differenziertes Bild. Restwertrisiken sind in den Kalkulationen der Fuhrparks verankert, sie führen aber nicht zur Abkehr vom Elektroantrieb. Wo Fuhrparks reagieren, verlängern sie die Haltedauer. Deutlich stärker wirkt der geplante Sachbezug.
Restwerte sind in den Fuhrparks kein Randthema, aber auch kein Alarmsignal. Sie stehen in der Gesamtkostenrechnung neben Energiekosten, Ladeinfrastruktur und steuerlichen Rahmenbedingungen. 61,36 Prozent der Befragten bezeichnen die Restwertunsicherheit entsprechend als einen von mehreren wichtigen Faktoren, nur 6,82 Prozent stufen sie als größten Unsicherheitsfaktor ein. Auf die Beschaffungsentscheidung selbst wirkt sie für 38,64 Prozent stark oder sehr stark, für 43,18 Prozent eher gering.
Die Reaktion heißt Haltedauer, nicht Rückkehr zum Verbrenner
38,64 Prozent der Befragten nehmen aufgrund möglicher Restwertschwankungen überhaupt keine Anpassung vor. Wer reagiert, verlängert am häufigsten die Haltedauer, 15,91 Prozent nennen diesen Weg. Ein verstärkter Rückgriff auf Verbrenner oder Hybride sowie der Wechsel von Kauf zu Leasing mit Restwertgarantie werden von je 13,64 Prozent genannt, 11,36 Prozent haben die Beschaffung von E-Fahrzeugen verschoben oder reduziert. In den offenen Antworten wird Operating Leasing ohne Restwertrisiko als bewusstes Steuerungsinstrument genannt, ebenso die von vornherein längere Haltedauer bei E-Fahrzeugen gegenüber Verbrennern.
Einem Drittel fehlt die eigene Erfahrungsbasis
Ein Grund für die verhaltene Einschätzung liegt in der fehlenden Datengrundlage in den Betrieben selbst. Rund einem Drittel der Befragten liegen keine eigenen Vergleichswerte vor, weil die Fahrzeuge noch nicht verwertet wurden. Wo Erfahrungswerte vorliegen, ist das Bild gemischt. 31,82 Prozent berichten von schlechteren Restwerten als ursprünglich kalkuliert, 27,27 Prozent von einer Entwicklung im erwarteten Rahmen, 15,91 Prozent sogar von besseren Werten als erwartet.
Für die kommenden zwei Jahre überwiegt vorsichtiger Optimismus. 36,36 Prozent erwarten eine Stabilisierung oder Verbesserung der Restwerte, 31,82 Prozent rechnen mit weiterer Verschlechterung, 18,18 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Niveau aus.
Der Sachbezug wirkt stärker
Deutlich anders fällt das Urteil zum geplanten Sachbezug auf privat genutzte E-Dienstwagen aus. 56,82 Prozent der Befragten geben an, dass dieser ihre Zurückhaltung bei der E-Auto-Beschaffung zusätzlich verstärkt, 18,18 Prozent davon deutlich. Der Unterschied zur Restwertfrage ist grundsätzlicher Natur. Restwertrisiken lassen sich betrieblich steuern, über Haltedauer, Vertragsmodelle und Beschaffungsstrategie. Steuerliche Rahmenbedingungen entziehen sich dieser Steuerung.
„Die Restwertfrage können Fuhrparks selbst steuern, über Haltedauer, Leasingmodelle und Beschaffungsstrategie. Der Sachbezug lässt sich nicht wegkalkulieren. Er trifft die Entscheidung direkt", sagt Henning Heise, Obmann des Fuhrparkverband Austria.

